3. Rathaus: Amt war gestern

Rathaus-300x199Die durchaus noch gebräuchliche Bezeichnung „Amt“ stammt aus der Zeit vor der Verwaltungsreform von 1974, als die heutige Stadt Wadern in amtsangehörige Gemeinden aufgegliedert war. Der Begriff geht bei vielen Bürgerinnen und Bürgern bemerkenswerterweise noch immer einher mit dem Gefühl des Ausgeliefertseins an eine Obrigkeit, oft genug auch mit dem der Hilflosigkeit. Dabei „gehört“ eine Verwaltung eigentlich den Bürgerinnen und Bürgern, die diese ja durch ihre Steuern finanzieren. Folglich hat eine Gemeinde- oder Stadtverwaltung zu allererst den Bürger als Kunden zu begreifen, der in Bezug auf sein Anliegen bestmöglich beraten sein will und rasch Antworten auf offene Fragen und Lösungen für Probleme erwartet. Vor diesem Hintergrund gilt es, Klischees über Bord zu werfen und das alte „Amt“ durch eine bürgerfreundliche Verwaltung zu ersetzen.

Verwaltung: Dienstleister des Bürgers

  • Die Verwaltung muss sich als Dienstleistungszentrum verstehen, das die Interessen seiner Kunden, der Bürgerinnen und Bürger der Stadt, immer im Blick hat. Als Ideal gilt das Prinzip der effizienten Dienstleistung aus einer Hand.
  • Die Einrichtung eines Ideen- und Beschwerdemanagements mit einem zentralen Ansprechpartner soll das Handeln innerhalb der Verwaltung beschleunigen und für den Hinweisgeber sicherstellen, dass sein Anliegen umgehend bearbeitet wird.
  • Konkrete Arbeitsaufgaben sollen jeweils über einen Projektmanager gesteuert werden, sodass Verantwortlichkeiten rasch und unmittelbar geklärt werden können.
  • Durch den Ausbau des Online-Dienstleistungsangebots soll das Rathaus auch außerhalb der Öffnungszeiten virtuell immer erreichbar sein. Ziel muss es sein, so viele Behördengänge wie möglich von zu Hause aus erledigen zu können, ohne dabei allerdings diejenigen auszuschließen, die nicht über einen Internetzugang verfügen oder Schwierigkeiten im Umgang mit der modernen Technik haben. Eine sinnvolle Komplettierung des Angebots ist in Einzelfällen durch Hausbesuche von Verwaltungsangestellten denkbar.
  • Verwaltung soll auch dezentral und vor Ort stattfinden, ohne die zentrale Einheit im Kernort zu schwächen. Befugnisse des Bürgermeisters können – wenn von den entsprechenden Personen gewünscht – auf die Ortsvorsteher delegiert werden, um den Bürgerinnen und Bürgern „lange“ Wege zum Rathaus zu ersparen. Damit einher geht eine Aufwertung des Amts des Ortsvorstehers.
  • Die Behandlungen von Sachthemen in Ausschuss-, Stadtrats- und Ortsratssitzungen sollen – soweit es die rechtlichen Möglichkeiten erlauben – weitestgehend in öffentlichen Sitzungen stattfinden.
  • Für die Stadt Wadern soll ein Personalkonzept erstellt werden, das sich an den geänderten Rahmenbedingungen (weniger zur Verfügung stehende Mitarbeiter, stärkere Technisierung) orientiert. Zu dieser Anpassung gehören auch die Vorgabe klarer Ziele und die Ausarbeitung konkreter Stellenbeschreibungen.
  • Der Bürgermeister soll sich durch einen kooperativen, aber verbindlichen Führungsstil, ein kompetentes Fehlermanagement und Zuverlässigkeit im Handeln auszeichnen.

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Foto: Jochen Kuttler