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Nutzung der ehemaligen Berufs- bzw. Volksschule Nunkirchen als Grundschule?

Vor kurzem wurde in von Seiten der SPD Nunkirchen der Vorschlag laut, die frühere Berufs- und Volksschule (später diente das Gebäude auch als Heimstatt der CEB) in der Weiskircher Straße als Ersatz- bzw. Ergänzungsgebäude für die Grundschule Nunkirchen zu nutzen. An sich ja keine dumme Idee. Allerdings eine, die sowohl der Stadtverwaltung als auch uns selbst schon gekommen ist. Und der man aus objektiven Gründen leider eine klare Absage erteilen muss. Insofern mutet es uns ein wenig merkwürdig an, wenn die SZ in ihrer Ausgabe vom 29. Februar 2016 über die Jahreshauptversammlung der Nunkircher SPD berichtet:

„Siegfried Gruber sprach verschiedene Themen an und ging insbesondere auf die Verhandlungen zum leer stehenden BBZ-Gebäude in Nunkirchen ein, das für die Grundschule Nunkirchen genutzt werden könnte. Dabei hätten verschiedene Gespräche stattgefunden, bemerkte er. Der Landkreis sei bereit gewesen, das Gebäude der Stadt Wadern gegen Zahlung der Nebenkosten zu vermieten. Nun habe ihm die Landrätin geantwortet, es bestehe von Seiten der Stadt Wadern an diesem Gebäude kein Interesse mehr. Gruber: „Bei allem notwendigen Engagement für unsere Flüchtlinge, sollte man die Menschen vor Ort nicht vergessen.“

Na ja, von „vergessen“ der Menschen vor Ort kann angesichts des schier unermüdlichen Einsatzes etlicher Menschen für ihre Nachbarn in jedweder Form (Nachbarschaftshilfe, Fahrdienste, Waderner Tafel etc.) wohl kaum eine Rede sein. Bevor wir auf diese stereotype Plattitüde eingehen, widmen wir uns der sachlich durchaus interessanten Frage, warum man die ehemalige Schule denn nicht als Ersatz bzw. als Ergänzung für die raumbeengte Grundschule Nunkirchen nutzt.

Vorab muss man hier wissen, dass aufgrund der Raumproblematik zwei Klassen der Grundschule Nunkirchen nach Bardenbach ausgelagert sind. Zu verdanken haben wir diese merkwürdige Situation, die viel Geld kostet (Gebäudeerhalt, Bustransfer) der Politik der saarländischen Landesregierung.  2006 wurden etliche Grundschulen geschlossen, um Lehrerstellen zu sparen. Das Ergebnis der Übung: Die Kommunen haben offiziell weniger Schulen, aber genauso hohe Kosten wie bisher.

Was ist nun also mit dem leerstehenden Gebäude in der Weiskircher Straße. Kkären wir vorab die Begrifflichkeiten: Wenn wir hier von „Volksschulgebäude“ sprechen, dann nur deshalb, weil sonst Verwechslungsgefahr mit dem heutigen BBZ bestünde. Das Gebäude direkt am Rand der Weiskircher Straße wurde eigentlich als Berufsschule gebaut. Als 1962 dann der Neubau (heutiges BBZ) errichtet wurde, wurde das Gebäude alsbald als Volsschulstandort, später als Dependance der Hauptschule Wadern, später auch wieder durch das BBZ genutzt.

Wir haben uns in der Frage der Nutzung als Heimstatt der Grundschule Nunkirchen bei der Stadtverwaltung in Wadern schlau gemacht: Bereits lange vor der Frage der Betreuung, Unterbringung etc. von Flüchtlingen hat die Stadt die Frage der Nutzung des Gebäudes für die Grundschule Nunkirchen intern sachlich erörtert. Dabei kam die Fachabteilung zu folgendem Schluss: Die Gebäudlichkeiten in der Weiskircher Straße eignen sich leider nicht für den gewünschten Zweck.

Aus ganz simplen und nachvollziehbaren Gründen: Zum einen gibt es nur sieben Klassenräume, zum anderen ist kein Platz für die Betreuung vorhanden. Die Grundschule Nunkirchen benötigt aber auf jeden Fall acht Klassenräume – pro Jahrgang zwei. Ferner muss ein Funktionsraum bereitgestellt werden. Doch damit ist nur die Schulraumthematik beleuchtet. Die Frage der Betreuungsräume stellt uns nämlich direkt vor weitere Probleme. Es steht in den Gebäuden der Schukle in der Weiskircher Straße zudem kein Turnraum zur Verfügung, die Toilettensituation ist gelinde gesagt nicht befriedigend, aber auch ihre schiere Anzahl ist schon zu gering. Es gibt keinen Schulhof für die Grundschulkinder…

Kurzum: Das Gebäude ist viel zu klein und aufgrund der Gegebenheiten ungeeignet zur Unterbringung der gesamten Grundschule Nunkirchen. Selbst für den Fall, dass man das unbedingt wollte, müsste das Gebäude komplett umgebaut werden. Es müssten dann unter anderem neue Büroräume entstehen. Die Stadt Wadern müsste den strengen Auflagen des Brandschutzes Rechnung tragen. Auf einen Bestandsschutz könnten sie sich in diesem Falle nicht mehr berufen. Die Frage der Kosten für all diese Positionen bedarf wohl kaum ernsthaft einer Erläuterung.

Selbstverständlich sind auch wir als ProHochwald schon auf den Gedanken gekommen, die ausgelagerten Räume der Grundschule in Bardenbach in das Gebäude in der Weiskircher Straße zu verlagern, was ja zumindest eine örtliche Nähe brächte. Das macht allerdings bei näherem Hinsehen auch wenig Sinn, weil auch hier – wie jetzt aktuell nach Bardenbach – ein Bus eingesetzt werden müsste. Der Fußweg ist für eine fußläufige Verbindung zu weit. Die o.a. Anforderungen (Mehrzweckraum, kein Schulhof, Toilettensituation etc.) sind im Übrigen auch bei diesem Lösungsansatz nicht erfüllt.

Niemand ist sonderlich zufrieden mit der aktuellen Lösung für die Grundschule Nunkirchen. Und genau deshalb sind wir sehr dafür, dass die Stadtverwaltung das Thema im Rahmen des neu aufzustellenden Schulentwicklungsplans intensiv diskutieren möchte.

Wie war das nun aber eigentlich mit der Nutzung des Schulgebäudes in der Weiskircher Straße für Flüchtlinge? Nun, der Landkreis wollte, wie wir von der Stadtverwaltung erfahren haben, das Gebäude vor knapp 1,5 Jahren verkaufen. Der Kaufpreis lag damals jenseits der 200.000 Euro-Marke. Für die Nutzung des aktuell nicht bespielten Gebäudes als Lager für Flüchtlingsmaterialien bzw. als Treffpunkt für Flüchtlinge hätte der Landkreis der Stadt das Gebäude allerdings auf Nachfrage des Bürgermeisters mietfrei zur Verfügung gestellt, jedoch mit der Maßgabe, dass die Stadt Wadern die anfallenden Nebenkosten trägt. Allein dafür wären dann wahrscheinlich 5.000 bis 10.000 Euro im Jahr zu berappen gewesen.

Es ergab sich als dann der glückliche Umstand, dass das dringend benötigte Materiallager für Nunkirchen und Umgebung in die ehemalige Gaststätte „Zur Schwalbe“ verlegt werden konnte, auch weil der dortige Eigentümer der Stadt Wadern die Räumlichkeiten im Kellergeschoss kostenfrei (!) zur Verfügung stellt. Damit war, wie die Stadtverwaltung uns auf Nachfrage erläuterte,  die Nutzung des ehemalig von Berufsschule, Volksschule, Hauptschule und CEB genutzten Gebäudes obsolet geworden, zumal der Landkreis darauf gedrängt hätte, dass das Gebäude bei einem Verkauf unmittelbar geräumt werden müsste.

Laut Auskunft der Stadtverwaltung besteht bzgl. der weitern Nutzung des Volksschulgebäudes noch immer engster Kontakt zum Landkreis. Auch weil die Gebäudlichkeiten einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden sollen, die der Attraktivität des Ortes nutzt.

Uns von ProHochwald befremdet in dieser Diskussion allerdings weniger die aufgeworfenen Räumlichkeitsfragen als die Unterschwellige Behauptung die Stadt und letztendlich ihre Bürger würden etwas für Flüchtlinge tun, was für Einheimische nicht getan werde. Die Aussage mag der aktuellen Linie von Sigmar Gabriel („Mehr für unsere eigene Bevölkerung“, Statement Maybritt Illner, ZDF, 26.2.2016) folgen, sie schürt aber unseres Erachtens einen Neidgedanken, der fatale Konsequenzen haben könnte. Unseres Wissens wird keine Bürgerin, wird kein Bürger schlechter gestellt als ein Flüchtling. Ganz sicher auch die Schülerinnen und Schüler aus Nunkirchen, Bardenbach und Büschfeld nicht.

Ganz abgesehen davon gibt es aber eine ganze Reihe von Bürgerinnen und Bürger, die das Hilfsangebot des „Bündnisses für Flüchtlinge“ annehmen, die aber nicht zum Kreis der Flüchtlinge gehören. Die also, um in der Sprache von Sigmar Gabriel zu bleiben „unsere eigene Bevölkerung“ darstellen. Insofern wollen wir einen konstruktiven Dialog ohne Klischees und Oberflächlichkeiten. Zum Wohle aller Menschen, die hier bei uns leben, ob sie nun Flüchtlinge sind oder zum Kreis der „eigenen Bevölkerung“ gehören.

Flüchtlinge

Weit mehr als eine Million Flüchtlinge hat Deutschland 2015 aufgenommen. Ähliche Zahlen werden für 2016 erwartet.  Zahlen, die manchen Menschen in unserem Land Angst machen. Wie soll Deutschland das bewältigen? Wird unser kulturelles Gepräge aus den Fugen geraten? Schafft unser Sozialstaat das? Bleibt Deutschland Deutschland?

Wir sind der Ansicht, dass Zuflucht Suchenden geholfen werden muss. Wer verfolgt wird, braucht Hilfe, wer bedrängt wird, braucht Unterstützung. Diese Aufgabe kann Deutschland nicht alleine lösen, folglich muss alles getan werden, damit unsere europäischen Nachbarn hier mit anpacken. Selbstredend müssen auch die Kriegsursachen in Syrien, Irak und Afghanistan, also im Nahen und Mittleren Osten, aber auch auf dem afrikanischen Kontinent in den Mittelpunkt der weiteren Bemühungen gestellt werden.

Das sind Aufgaben der großen Politik. Doch was gilt es im Kleinen, also auf kommunaler Ebene zu tun? Die Stadt Wadern bemüht sich nach Kräften und bisher sehr erfolgreich, die Menschen, die ihr zugewiesen werden, dezentral unterzubringen. An dieser dezentralen Lösung muss festgehalten werden! Eine Sammelunterkunft mit mehr als 100 auf einem Platz kann nur dann eine Behelfslösung sein, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft worden sind. Und dann auch nur zeitlich auf den ärgsten Notfall begrenzt.

Das Bemühen des „Bündnisses für Flüchtlinge der Stadt Wadern“ ist vorbildlich und saarlandweit anerkannt. Das Engagement von rund 130 ehrenamtlichen Helfern führt nicht nur zu einer besseren Betreuung von Flüchtlingen, sondern hilft auch bei deren Integration. ProHochwald setzt hier auf ortsnahe Strukturen, verbunden mit einer zentralen Steuerung, um den Menschen, die hier bei uns fremd sind, den Anschluss an die verschiedenen Dorfgemeinschaften zu ermöglichen. Diese Struktur sollte nicht nur Flüchtlingen, sondern auch Deutschen, die am Existenzminium leben zur Verfügung gestellt werden. Das auch deshalb, um ganz klar zu machen, dass Hilfe, die Menschen zuteilwird, nicht an eine Nationalität, eine Religion oder sonst eine Befindlichkeit gebunden ist.

Klar muss auch sein, dass – im Gegensatz zu dem, was mit Gastarbeitern in den 1960er und 1970er Jahren geschah – von Anfang an das Ziel der Integration im Mittelpunkt der Bemühungen stehen muss. Auch und gerade nach den verheerenden Eindrücken, die die Geschehnisse in Köln in der Silvesternacht 2015/2016 hinterlassen hat. Das Grundgesetz, also die freiheitliche demokratische Grundordnung dieses Landes, ist hier die verbindliche Richtschnur. Wer zu uns kommt, hat diese Richtschnur zu beachten! Wer hier lebt, übrigens auch! Wie sich die Menschen verschiedener Herkunft aufeinander zu entwickeln, muss und wird die Zukunft zeigen. Wir sind guten Mutes, dass ein konstruktives Miteinander für alle Beteiligten, also für Flüchtlinge und Einheimische, eine Bereicherung in unserer Stadt sein wird.